
Ein bewegendes Zeichen gegen das Vergessen: Exklusive Führung in der KZ-Gedenkstätte Dachau
Am 29. September 2024 begab sich eine beachtliche Gruppe auf eine ganz besondere und hochemotionale Reise in die Vergangenheit. Auf Einladung von Queer Pfaffenhofen e.V. versammelten sich insgesamt rund 30 Teilnehmer*innen in der KZ-Gedenkstätte Dachau. Im Mittelpunkt stand ein Schicksal, das in der allgemeinen Geschichtsschreibung viel zu lange im Schatten stand: das der queeren Häftlinge.
Einzigartige Einblicke und Gänsehaut-Momente

Geleitet wurde die Führung von Patricia Prieto-Soto, die es verstand, die abstrakte Geschichte in greifbare, menschliche Schicksale zu übersetzen. Mit großer Empathie und tiefem Fachwissen brachte sie uns die Lebenswege queerer Häftlinge nahe. Es waren Momente, die für Gänsehaut sorgten – etwa als wir von dem unvorstellbaren Mut und dem oft im Verborgenen geleisteten Widerstand erfuhren, den diese Menschen trotz der grausamen Bedingungen aufbrachten.
Zum würdevollen Abschluss der Veranstaltung legte der Vorstand von Queer Pfaffenhofen e.V. einen Blumenkranz nieder. Damit gedachten wir der Opfer und gaben ein Versprechen für die Zukunft: Wir werden eure Geschichten weitertragen und uns weiterhin für eine Welt ohne Ausgrenzung einsetzen.



ℹ️ Hintergrund: Queere Häftlinge im Nationalsozialismus
Der „Rosa Winkel“
Im Konzentrationslager wurden Häftlinge durch ein System von Stoffabzeichen markiert. Männer, die aufgrund ihrer Homosexualität nach § 175 verfolgt wurden, mussten den „Rosa Winkel“ tragen. Sie standen in der Lagerhierarchie oft ganz unten und waren besonderer Grausamkeit durch das Wachpersonal, aber auch durch Mitgefangene ausgesetzt.
Die Situation in Dachau
Das KZ Dachau war ein Ort systematischer Verfolgung. Homosexuelle Männer wurden hier nicht nur inhaftiert, sondern auch Opfer medizinischer Experimente. Ihre Geschichten von Mut und Selbstbehauptung wurden erst Jahrzehnte später umfassend erforscht.
Verfolgung nach 1945
Ein besonders bitteres Kapitel der Geschichte: Mit der Befreiung der Lager endete das Leid für viele queere Menschen nicht. Während andere Opfergruppen entschädigt wurden, blieb der Paragraph 175 in der Bundesrepublik in seiner NS-Fassung bis 1969 bestehen. Viele Überlebende wurden nach 1945 erneut kriminalisiert. Eine offizielle Anerkennung als NS-Opfergruppe erfolgte erst sehr spät.
Ein Meilenstein für die Bildungsarbeit
Der Erfolg dieses Pilotprojekts spricht für sich: Die Gedenkstätte Dachau hat aufgrund der hohen Teilnehmerzahl und der Relevanz des Themas bereits signalisiert, die queere Führung fest in ihr Regelprogramm aufzunehmen. Wir sind stolz darauf, diesen Prozess gemeinsam angestoßen zu haben und damit einen dauerhaften Beitrag zur Sichtbarkeit queerer Verfolgungsgeschichte zu leisten.
Wir können jedem nur ans Herz legen, die Gedenkstätte zu besuchen und sich mit diesem Teil unserer Geschichte auseinanderzusetzen. Die neuen thematischen Führungen bieten eine unverzichtbare Perspektive für unsere heutige Gesellschaft und mahnen uns, täglich für Vielfalt und Toleranz einzustehen.
👉 Weitere Informationen zur KZ-Gedenkstätte Dachau
Wir danken Patricia Prieto-Soto und dem Team der Gedenkstätte für diese wegweisende Zusammenarbeit und die würdige Aufarbeitung unserer Geschichte.



